das Carillon im Wallis

Das rhythmisch-melodische Spiel auf 4 (oder mehr) entwickelte sich im Wallis zu einer Kunstfertigkeit der besonderen Art. Die Melodien und Codes wurden von einer Generation auf die nächste übertragen und auch weiterentwickelt. Der „Spieltisch“ des Carilloneurs besteht dabei meistens nur aus ein paar Seilen, die über Rollen und Achsen mit den Klöppeln der Glocken verbunden sind (Grafik 1 + 2). Mit Händen und Füssen bringt er diese dann zum Klingen.
Besonders zu erwähnen ist das „Unterschlagen“. Im Wallis wurden die Glocken nicht mit Seilen zum Läuten gebracht. Die Glöckner standen oberhalb der Glocken und brachten diese mittels Treten zum Schwingen (Grafik 3). Beim „Unterschlagen“ wird eine (meistens die grösste) von einem Spieler solange geschwungen bis sie auf dem Kopf steht. Nun lässt er sie jeweils für einen Schlag schwingen und hält sie dann wieder im labilen Gleichgewicht (Grafik 4). Während dieser Zeit spielt der Carilloneur auf den verbleibenden Glocken seine Melodien. Ein Zusammenspiel der besonderen Art welches weltweit einzigartig ist.

Durch die Automatisierung der Kirchengeläute in den 60er Jahren liessen sich die Glocken nicht mehr um 360 Grad drehen so dass diese Art des Carillonspiels verschwand. Dennoch gibt es noch einige Orte im Wallis wo dies möglich ist und wo es auch noch gespielt wird. Auch in vielen anderen Kirchtürmen wurde  die Tradition des Carillonspiels ohne Unterschlagen weitergeführt und auch heute noch gespielt.